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Kinder und Jugendliche
sind Mitbetroffene
häuslicher Gewalt!

Auch Ihre Kinder können mitbetroffen sein, selbst wenn sie nicht direkte Gewalterfahrungen gemacht haben. Kinder haben ein feines Gespür und bemerken Veränderungen in der Familie oder im Verhalten der Eltern untereinander. Sie sehen wie Sie sich als »Paar« begegnen, wie sie miteinander umgehen und sie hören, wenn Sie sich z.B. nachts im Nebenzimmer streiten oder geschlagen werden.
Oft denken die Kinder, selbst an dieser Situation Schuld zu sein, vielleicht weil sie ihr Zimmer nicht aufgeräumt haben und es deswegen zum Streit zwischen Ihnen kam. Die Kinder fühlen sich oft sehr hilflos und verantwortlich, weil Sie Ihnen nicht helfen können. Und manchmal versuchen sie, auch Sie zu beschützen und werden dann selbst körperlich verletzt.
Der Gewalt in der Familie ausgesetzt zu sein bzw. diese mitzuerleben, kann für ihr Kind seelische und körperliche Folgen haben, die sich in verschiedenen Formen zeigen können, wie z.B.:

  • Verletzungen, Selbstverletzungen
  • Nervosität, Alpträume und Ängste bis hin zu Suizidgedanken
  • Ess- und Schlafstörungen, Einnässen
  • verstärkte Krankheitsanfälligkeiten
  • geringes Selbstwertgefühl, Gewaltbereitschaft, Distanzlosigkeit, Isolation, Erlernen des Erduldens von Gewalt oder sie werden übertrieben wachsam und ziehen sich zurück
  • Leistungs-, Konzentrationsschwäche in der Schule ...

Kinder sind Personen mit eigenen Bedürfnissen und Rechten sowie mit einer eigenen Misshandlungsgeschichte und eigenen Gewalterfahrungen, die als solche ernst genommen werden müssen und auf die in unserer Arbeit im Frauenschutzhaus speziell eingegangen wird.

Angebote für Kinder und Jugendliche im Frauenschutzhaus:

  • Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche durch Kinderfachkraft
  • Beobachtung und Bearbeitung der Folgen häuslicher Gewalt
  • Entlastungsgespräche
  • Aufbrechen von Rollenklischees
  • Niedrigschwellige Angebote/Freizeitgestaltung
  • Kinderhausversammlung – Leben im Frauenschutzhaus

Angebote für die Arbeit mit den Müttern im Frauenschutzhaus:

  • Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen und im Umgang mit Behörden, Institutionen
  • Vermittlung und ggf. Begleitung zu Kooperationspartnern
  • Entlastungsgespräche
  • Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung (Elternbildung, Einzel- und Gruppenarbeit)

Quellen
Prof.Dr.Barbara Kavemann: Kinder und häusliche Gewalt – Kinder misshandelter Mütter, Projekt WiBIG – Wissenschaftliche Begleitung Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt, Universität Osnabrück
B. Kavemann/U. Kreyssing (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt, Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2006